Express: Radfahrer müssen nicht mehr auf den Radweg

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Der Express titelte am 24.6.:

"Gericht entscheidet: Radfahrer müssen nicht mehr auf den Radweg"

Das ist ein Bericht über das Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs vom November 2010. Soweit erstmal keine neue Nachricht. Die eigentliche Nachricht muß man weiter unten suchen: daß der Fahrradbeauftragte das Urteil zur Kenntnis genommen hat. Das wissen Leser dieses Blog auch schon seit fast 4 Monaten. Das Ganze noch mit etwas Anti-Fahrrad-Rhetorik gewürzt:

"So blühen uns raderdolle Zeiten: Autos schleichen auf der Straße hinter einem Radler her - dabei ist daneben ein freier Radweg. „Das wird problematisch“, fürchtet Möller."

Ich hoffe, daß Herr Möllers Zitat vom Express aus dem Zusammenhang gerissen wurde.

Etwas konkreter ist ein Artikel, der nachts darauf veröffentlicht wurde:

"Die Stadt hat angekündigt, ein Grundsatzurteil über Radwege umzusetzen. Demnach bekommen Radler in der Regel die freie Wahl, ob sie einen befestigten Radweg benutzen wollen oder lieber auf der Straße fahren."

Der Artikel ist für Express-Verhältnisse überraschend ausgewogen. Nur der ADAC blamiert sich mit der Aussage:

"„Es muss genau geprüft werden, wo man die Radler auf die Straße lässt“, fordert ADAC-Sprecherin Jacqueline Grünewald. Rheinuferstraße, Innere Kanalstraße, Clevischer Ring etwa ginge gar nicht."

Abgesehen vom Abhandensein einer Begründung für diese "ginge gar nicht"-These scheint Frau Grünewald nicht zu wissen, daß die Fahrbahn der Inneren Kanalstraße zumindest teilweise für den Radverkehr freigegeben ist (ab Aachener Straße Richtung Norden), weil es dort gar keinen Radweg gibt. Ebenso der Clevische Ring: der Fahrradweg Richtung Norden ist nicht fahrbahnbegleitend, deswegen darf man dort die Radwegbeschilderung ignorieren. Übrigens: der nördliche Fahrradweg auf der Deutzer Brücke ist ebenfalls nicht fahrbahnbegleitend, und muß nicht benutzt werden (außer, man will nach rechts weiterfahren).

Aber zurück zum Express-Artikel: gut, daß das Thema im "Mainstream" angekommen ist, und jemand versucht, die Situation zu erklären. Schade, daß außer dem Express niemand sonst darüber berichtet. Auf der (sehr unübersichtlichen) Webseite der Stadt Köln konnte ich auch keine Pressemitteilung oder sonst irgendeine Aussage finden.

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