Radfahrerin tödlich verletzt

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Und wieder ist eine Radfahrerin in Köln unter die LKW-Räder gekommen. Auf dem Fahrradweg. Der LKW wollte rechts abbiegen.

Wann schreitet das Amt für Straßen und Verkehrstechnik Köln zur Tat, und entfernt endlich diese gefährlichen Radwege? Ein Radweg darf nur dann benutzungspflichtig sein, wenn auf der Fahrbahn eine "qualifizierte Gefahrenlage" besteht. Ein Radweg, der noch gefährlicher ist als die Fahrbahn, ist dabei keine Lösung.

Heute früh war ich noch zur Akteneinsicht beim Amt für Straßen und Verkehrstechnik Köln. Mein Gegenüber erzählte mir, daß er bei der Baustelle Augustinerstraße den Radverkehr verbieten musste, weil es dort angeblich zu gefährlich sei (mit Umleitung aller Radfahrer durch die belebteste Fußgängerzone Kölns, die Schildergasse!). Er sprach von seiner Verantwortung, und was wenn ein Unfall passiert, dann sei er ja mit verantwortlich.

Wer übernimmt denn nun die Verantwortung für den traurigen Unfall in Wahnheide? Klar, der LKW-Fahrer. Der hätte gucken müssen, bevor er abbiegt, toter Winkel und schlechter Radweg hin oder her, das ist seine Verantwortung.

Aber wer übernimmt die Verantwortung für den gefährlichen Fahrradweg?

Auf der Fahrbahn wäre dieser Unfall nicht passiert. Der LKW-Fahrer und die Radfahrerin hätten sich zu jedem Zeitpunkt gegenseitig wahrgenommen.

Jeder Fahrradfahrer sollte hieraus eine Lehre ziehen: egal, wie gefährlich sich das Radeln auf der Fahrbahn anfühlt, sie ist der sicherste Ort für Radfahrer. Die gefühlte Sicherheit auf Radwegen trügt.

Update 30.11.2011: der KSTA legt nach dem Rhetorik-Ausfall von gestern ("geriet in den toten Winkel") einen erfreulich kritischen Artikel nach:

„Kreuzungen, die sich als Unfallhäufungspunkte erwiesen haben, liegen in der Prioritätenliste bei Umbauten ganz vorn“, sagt Angela Stolte-Neumann vom Amt für Straßen- und Verkehrstechnik. An der Kreuzung Dürener Straße/Stadtwaldgürtel werde man im Zuge der Umbauten bis Ende 2012 auch die „frei laufenden Rechtsabbieger“, bei denen Autos ohne Ampel auf einer eigenen Fahrspur nach rechts geführt werden, beseitigen.

Unfaßbar, dieser Flickenteppich, der hier weiter gepflegt wird - erst werden gefährliche Radwege angelegt, und wenn was passiert, wird einfach noch ne Ampel hingestellt? Wie wäre es denn, wenn man die Rechtsabbiegerspur auch wirklich nach rechts legen würde? Statt rechts davon noch eine verpflichtende Geradeausspur für Radfahrer anzulegen?

Zudem ist geplant, vor den Ampeln „Sichtflächen“ für Radfahrer zu schaffen, damit sie von folgenden Autofahrern rechtzeitig wahrgenommen werden.

Der erste gute Eindruck, der sich beim Lesen dieses Satzes ergibt, ist ein Trugschluss. Das sind nur Ausflüchte, um der "Verantwortung" (s.o.) zu entgehen, um zu sagen, "wir tun was".

In Wahrheit geht dieser Plan am aktuellen Thema gründlich vorbei. Denn die verstorbene Radfahrerin befuhr den Radweg. Bevor man über Sichtflächen nachdenken kann, muß man den Radfahrer erstmal auf die Fahrbahn leiten. Und damit sind wir bei meiner obigen Forderung: Radwege weg, Radfahrer auf die Fahrbahn, nur dort sind sie sicher! Wenn der Radfahrer erst mal auf der Fahrbahn ist, ist der Nutzen dieser Sichtflächen eher gering; er dient in erster Linie als "Vordrängelhilfe" nach StVO §5 Abs. 8. Welche Unfälle man vor einer roten Ampel vermeiden will, ist mir nicht klar, denn Unfälle passieren bei grünen Ampeln.

Schwieriger sei es, an Kreuzungen ohne eigene Abbiegespuren derartige Unfälle zu verhindern. Dort könne man nur appellieren, sich umsichtig zu verhalten.

Ja, appellieren, das ist eine gute Maßnahme! Da mach ich mit. Hinter dieser Resignation verbirgt sich schon wieder rhetorisch das Verneinen der Verantwortung für diese katastrophale und gefährliche Straßenarchitektur.

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