Datenschutz ist unbequem

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Wer Datenschutz ernst nimmt, hat's schwer. Heute habe ich der Speicherung meiner Perso-Nummer widersprochen, und mußte dafür unbequeme Nachteile in Kauf nehmen.

Kurz was über den Personalausweis: sie dient zum Identitätsnachweis. Für deutsche Staatsbürger besteht die Pflicht, einen zu besitzen, man muß ihn aber nicht immer dabei haben. Bestimmte Amtsträger (z.B. Polizei) und Behörden können damit die Identitätsfeststellung durchführen. Gegenüber Banken und Versicherungen gibt es auch bestimmte Ausweispflichten. Und es gibt die freiwillige Identitätsfeststellung - darum geht es heute.

Mir ist etwas alltägliches passiert: der Paketbote war da, aber ich nicht. Zettel lag im Briefkasten. Heute früh bin ich nach Deutz geradelt, um mir das Paket in einem Kiosk abzuholen.

"Ich brauche Ihren Personalausweis", erwidert der Kiosk-Angestellte - das ist sie, die Bitte um eine freiwillige Identitätsfeststellung. Ich muss den Perso nicht zeigen, schließlich ist der Mann kein Polizist oder ähnliches. Andererseits ist es nur vernünftig, mein Paket nicht jedem zu geben, der behauptet, ich zu sein. Die Identitätsfeststellung ist in meinem Interesse, also zücke ich meinen Perso aus der Tasche.

Er schnappt ihn mir gleich aus der Hand, schreibt den Nachnamen ab, und fängt an, die Perso-Nummer abzuschreiben. "Die muß ich haben, sonst kann ich Ihnen das Paket nicht geben!" Ich nehme ihm meinen Perso wieder ab, "Nein, das möchte ich nicht. Die Nummer brauchen Sie nicht." Ich weigere mich, ihm meine Perso-Nummer zu geben, und er weigert sich, mir das Paket zu geben.

Anruf bei der GLS-Hotline. Die Dame bestätigt mir, daß die Perso-Nummer notiert werden muß, "gegen Betrüger!" Wie das gegen Betrüger helfen soll, kann sie nicht erklären. Ich notiere mir ihren Namen. Anruf bei der Polizei - nein, die Polizei kann leider nicht helfen, aber man sagt mir, ich soll doch einfach meine Perso-Nummer rausgeben, das macht doch jeder so.

Wieder zu Hause, ich schreibe eine Beschwerde auf der GLS-Webseite, und eine Email an den Versender. GLS erklärt dem Versender und mir das gleiche: ja, die Perso-Nummer wird gebraucht, wegen Betrug und so. Damit man nachher weiß, wem man das Paket gegeben hat. "Aber das wissen Sie doch auch so, wenn auf dem Perso der gleiche Name steht wie auf dem Paket?" Logik hilft nicht weiter, es ist halt so vorgeschrieben bei GLS, und das Callcenter hat da eh keinen Spielraum. Immerhin: die Perso-Nummer wird nicht gespeichert! Hurra! Aber wie hilft eine nicht gespeicherte Nummer später, im Betrugsfall? Wie war das nochmal mit der Logik?

Was wollen die Firmen alle mit meiner Perso-Nummer? Um Identitätsnachweis kann es nicht gehen, denn dazu steht mein Name auf dem Perso, und ich bin keine Zahl. Oh, vielleicht bin ich doch eine Zahl. In den Datenbanken der Datenhändler bin ich sogar ganz viele Zahlen. Meine Daten sind beim Verkauf bestimmt wertvoller, wenn es eine Personenkennzahl gibt, der sich die Datensätze zuordnen lassen.

Stellen wir uns mal vor, ich hole das Paket ab, und behaupte, ich hätte es gar nicht abgeholt. Ich verklage GLS auf Schadenersatz, und GLS zaubert meine Perso-Nummer hervor. Beweist das, daß ich das Paket doch schon abgeholt habe? Nein, damit beweist GLS genau eines: daß sie meine Perso-Nummer kennen. Im einfachsten Fall habe ich schonmal ein Paket bei GLS abgeholt, oder jemand anders hat GLS die Nummer verraten (verkauft).

Nehmen wir trotzdem mal an, GLS könnte durch Kenntnis meiner Perso-Nummer vor Gericht beweisen, daß ich ein bestimmtes Paket bereits abgeholt habe. Jetzt hätte ich das Paket aber wirklich nicht abgeholt, sondern der Zusteller hätte das Paket gestohlen. GLS findet in seiner Datenbank nun meine Perso-Nummer (von einem anderen Paket), und "beweist" nun vor Gericht, daß ich das aktuelle Paket abgeholt habe.

Wichtigstes Ergebnis dieser Gedankenexperimente: wenn ich meine Perso-Nummer herausgebe, kann das nur zu meinem Nachteil ausgelegt werden! Es dient ausschließlich dazu, im Zweifelsfall gegen mich verwendet zu werden, aber niemals zu meinem Vorteil. Das ist ein guter Grund, sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu nutzen, und seine Perso-Nummer nicht zu verraten.

Der konstruktive Teil dieses Artikels: wie soll GLS das Problem lösen? Name und Adresse auf Paket mit Ausweis vergleichen, Ausweisfoto mit meinem Gesicht vergleichen, meine eigenhändige Unterschrift auf der Quittung mit der auf dem Ausweis vergleichen und fertig. Das sind drei Kriterien, das muß reichen. Mehr hilft nicht mehr.

Denkanstoß: Warum braucht man den Zirkus mit dem Personalausweis nicht, wenn man das Paket "normal" zu Hause (Mehrfamilienhaus) entgegennimmt?

Ja, ist ganz schön unbequem, mit leeren Händen zurückzukommen, und einem verständnislosen Versender die Situation zu erklären.

Natürlich zwingt einen niemand, seine Perso-Nummer zu verraten, aber wenn man es nicht tut, wird man mit vielen Nachteilen bestraft. Das funktioniert nur, weil man damit nur eine kleine Minderheit unterdrückt. Daher mein Aufruf: geht bewusster mit euren Daten um! Sagt auch mal "Nein" wenn einer eure Daten will, aber nicht erklären kann, wozu.

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