Mein Abschied vom Segelflug

Ich habe die Nase voll.

Wenn ich einen Hauptgrund benennen sollte, dann wäre es das unsägliche Versagen des DAeC Landesverband NRW bei seinem Datenleck.

Ich hatte 2008 auf ein schlimmes Problem in einer Software des Landesverbandes aufmerksam gemacht, was uns alle betrifft. Ich wollte mithelfen, das Problem zu beheben. Nicht nur das war unerwünscht - man hat mich zum Problem definiert, und das echte Problem ignoriert und verleugnet. Bis heute hat sich das nicht geändert.

Geändert hat sich das Interesse der Öffentlichkeit. Nach einem kurzen einwöchigen Shitstorm flachte das Interesse ab.

Fliegen ohne Landesverband

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle eine Anleitung veröffentlichen, wie man auch ohne Landesverband fliegen kann. Ich wollte als Beispiel voran gehen für diejenigen, die ebenso wie ich Konsequenzen aus dem Versagen des LV NRW ziehen wollten. Aber es kam anders.

Die Verbände sind unsere Interessenvertretung, und das ist eigentlich gut. Leider vertritt der DAeC NRW meine Interessen nicht, sondern er stellt sich aggressiv als mein Feind auf. In Duisburg sieht man die eigene Existenz offenbar als Selbstzweck, und versucht sich Störenfriede wie mich per Anwaltsdrohungen vom Leib zu halten.

Nach diversen Versuchen habe ich resigniert - ich kann das System nicht reformieren, zumindest kann ich das vorhandene Personal nicht zu einem Wandel bewegen. Für einen kompletten Neuanfang mit neuem Personal fehlt es scheinbar an öffentlichem demokratischem Interesse. Sonst wäre die neue, datenschutzfeindliche Satzung im November 2015 nicht angenommen worden, sondern der uneinsichtige Vorstand wäre stattdessen aus dem Amt gejagt worden.

Aber es geht ja auch ohne Landesverband. Einfach dem eigenen Verein untersagen, Daten an den Landesverband weiterzugeben. Das hat natürlich Konsequenzen, die man abwägen muß:

Flugverbot!?

Meinem Verein habe ich also am 15. Februar 2015 untersagt, meine Daten an den LV NRW weiterzugeben. Das hat beim Vereinsvorstand für Irritationen gesorgt. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, auch wenn der Vorstand in die Problematik eingeweiht war.

Ich habe versucht, die Irritationen durch sachliche Argumente auszuräumen. Vermeintliche Probleme (keine Fluglehrerhaftpflicht!) konnte ich so vollständig auflösen. Die Diskussion versiegte erstmal.

Nachdem ich im November 2015 nochmal an das Thema erinnerte, bekam ich im Dezember eine eher überraschende Antwort von meinem Vereinsvorstand:

… hat heute die Löschung deiner Daten beim LV NRW auf deinen Wunsch hin vorgenommen. Wir müssen dich als Folge daraus darauf hinweisen, dass davon nicht nur die Schulung betroffen ist, sondern wir dir darüber hinaus die Nutzung der Vereinsflugzeuge bis auf weiteres untersagen müssen. Am 10.01.2016 werden wir das Thema Satzung des Landesverbandes, die daraus entstehenden Folgen für den Verein und deinen speziellen Fall in einer Vorstandssitzung besprechen und dich im Anschluss über das weitere Vorgehen informieren.

Das verbuche ich unter “erst panisch irgendwas tun, dann nachdenken”. Nur ohne “dann nachdenken”.

Heute, genau ein Jahr nach der genannten Vorstandssitzung, besteht mein Flugverbot immer noch.

Ich wollte zeigen, daß man auch ohne Landesverband fliegen kann. Das ist leider mißlungen. Nicht, weil es nicht möglich ist - sondern weil mir von anderer Stelle unnötig Stöcke zwischen die Beine geworfen wurden.

Vereinswechsel?

Ich könnte natürlich weiter quengeln, meine Argumente zum wie-vielten Mal wiederholen, die Nicht-Argumente des Vorstands hinterfragen, oder die Mitgliederversammlung über das Flugverbot abstimmen lassen. Oder ich könnte den Verein wechseln. Oder die vielen lieben Einladungen von Fliegerkameraden annehmen, ihr Privatflugzeug zu fliegen.

Aber ich kann mich nicht dazu aufraffen.

Auf der einen Seite hat sich genug Frust angestaut. Über den Landesverband, über die grenzenlose Dummheit und Ignoranz. Über meinen Verein. Generell über die negativen Dinge, mit denen man beim Vereinsfliegen konfrontiert wird (grober Sammelbegriff “Vereinsmeierei”). So mancher Umgangston auf einem Flugplatz ist für Außenstehende kaum vermittelbar. Das hat mich nie wirklich gestört, jeder schöne Flug hat das wieder wettgemacht. Aber wenn man mal mit pessimistischer Brille zurückblickt, fragt man sich schon, warum man sich das über 20 Jahre lang angetan hat.

Auf der anderen (positiven) Seite paßt Fliegen heute schwerer denn je in mein Leben (ich konnte mir nie vorstellen, das jemals zu sagen). Ich habe jetzt Familie und was noch so zu einem Spießerleben dazugehört ;-) und bekomme meine Wochenenden auch so voll. Mir geht es so gut, daß ich das Fliegen letztes Jahr nicht einmal vermisst habe. Irgendwie erschreckender Gedanke, aber ja: ich habe es nicht vermisst.

Und nun?

Und nun habe ich ein neues altes Hobby gefunden - Fahrrad. Macht auch viel Spaß, und man sieht auch was von der Welt und der Natur.

Vielleicht packt es mich irgendwann wieder, und ich fange wieder mit Segelfliegen an. Vielleicht dieses Jahr, vielleicht in ein paar Jahren, oder nie.

Jedenfalls möchte ich mit diesem pessimistischen Text niemanden vom Fliegen abbringen. Es ist ein tolles und faszinierendes Hobby, das mir immer unfassbar viel Freude bereitet hat. Dieser Aspekt kommt hier zu kurz, weil es halt nicht das Thema ist.